„Gewalt in der Geburtshilfe“ als curricularer Bestandteil der Hebammenqualifizierung : eine empirische Untersuchung mit salutogenetischem Ansatz aus der emischen Sichtweise Hebammenstudierender

  • Hintergrund: Da in Deutschland „Gewalt in der Geburtshilfe“ nicht einheitlich definiert ist, wird in der Arbeit darunter die Gewalt gegen Frauen/Familien und/oder gegen geburtshilfliches Personal verstanden. Bislang ist dies kein Pflichtthema in der primären Hebammenqualifizierung, obwohl eine Prävalenz bis zu 78% geschätzt wird. Folgen und Auswirkungen von „Gewalt in der Geburtshilfe“ können allerdings schon während der Studienzeit gravierend sein. Die neue HebStPrV vom 10.01.2020 stellt dahingehend eine erste gesetzliche Verankerung dar, indem Kompetenzen gefordert werden, die auch für „Gewalt in der Geburtshilfe“ essenziell sind. Fragestellungen: Es wird untersucht, wie Hebammenstudierende derzeit mit „Gewalt in der Geburtshilfe“ konfrontiert werden und welche Aspekte für eine optimale Qualifizierung zu diesem Thema relevant sind. Methodik: Die Autorin führte eine deskriptive Querschnittsanalyse mittels schriftlicher Online-Befragung über Google-Forms bei 70 Hebammenstudierenden der Hochschulen Fulda und Jena durch. Insgesamt wurden 179 Studierende angeschrieben, so dass es einer Rücklaufquote von 39,1% entspricht. Die Datenanalyse erfolgte mit IBM SPSS Statistics 25. Ergebnisse: 77,1% aller befragten Studierenden gaben an, „Gewalt in der Geburtshilfe“ erlebt zu haben. Am belastendsten sind dabei: Situationen, in denen geburtshilfliches Personal Gewalt gegen Frauen/Familien ausübt (98,1% aller Teilnehmenden), Hierarchien unter geburtshilflichem Personal (79,6%) und Diskrepanz zwischen Gelerntem und Praktiziertem (74,1%). Derzeit haben sich die Teilnehmenden am längsten in ihrer Freizeit mit der Thematik beschäftigt (Median: 10h) und jede Zweite (50%) gab an, die Auseinandersetzung im Studium in gewissem Maße unzureichend zu finden. Die Studierenden wünschen sich theoretischen Input vor dem ersten Praxiseinsatz, Informationen zum hausinternen Umgang mit „Gewalt in der Geburtshilfe“ bei der Einarbeitung sowie Reflexion und Austausch nach jedem gewaltvollen Ereignis und nach jedem Einsatz. Laut ihnen sollte sich das Thema modularisiert durch den seminaristischen und fachpraktischen Unterricht zu Geburtshilfe, Schwangerschaft, Wochenbett und Ethik ziehen. Die inhaltlichen Schwerpunkte einer Sensibilisierung sollten laut Datenanalyse bei beiden Lehr-/Lernorten auf dem Erlangen individueller Umgangs- und Bewältigungsstrategien, Möglichkeiten der Prävention und Wissen über Hilfsangebote liegen. Fazit: Eine im deutschen Sprachgebrauch gültige Definition von „Gewalt in der Geburtshilfe“ ist zwingend erforderlich, bei der auch werdende Hebammen als direkt Betroffene erwähnt werden. Das bisherige Hebammenstudium beinhaltet noch zu wenig Auseinandersetzung mit der Problematik, so dass die neue HebStPrV dahingehend eine erste Verbesserung sein könne. Pflichtthematisierungen im Hebammenstudium sind sowohl bei der ausbildenden Hochschule als auch in der Praxis für eine ausreichende, eher praktisch orientierte Sensibilisierung nötig.
  • Background: “Obstetric violence” is not consistent defined in Germany, so in this work it means violence against women/families and/or against obstetric staff. So far, it is not a compulsory subject in the primary qualification of midwives, despite an estimated prevalence of 78%. However, the consequences and effects can be serious even for students. The new HebStPrV of January 10th, 2020 represents a first legal anchoring in that competencies are required that are also essential for "violence in obstetrics". Aim: The aim is to investigate how midwifery students are currently confronted with “obstetric violence” during their studies and which aspects are relevant for an optimal qualification on this topic. Method: The author conducted a descriptive cross-sectional analysis using a written online survey via Google forms with a total of 70 midwifery students from the universities of Fulda and Jena. Participation received 179 students so that there is a response rate of 39.1%. Data analysis was performed with IBM SPSS Statistics 25. Results: 77.1% of all students surveyed stated that they had experienced “obstetric violence”. The most stressful things are: situations in which obstetric personnel practices violence against women/families (98.1% of all participants), hierarchies among obstetrical personnel (79.6%) and the discrepancy between theory and practice (74.1%). The participants have spent the longest time on the subject in their free time (median: 10h) and every second (50%) finds that the subject is currently addressed inadequately during their studies. The students prefer theoretical input before their first practical training, initial information about internal handling strategies during induction and opportunities for reflection and exchange after each experience of “obstetric violence” and after each training. According to them, ideally, the subject should be addressed in seminars and training throughout the course, e.g. in the subjects of obstetrics, pregnancy, puerperium and ethics. According to the data analysis, for both qualification partners, the main focus of sensitization should be on the acquisition of individual handling and coping strategies, possibilities for prevention and knowledge about available support for those affected. Conclusion: A consistent definition of “obstetric violence” in German language which includes midwifery students among those directly affected, is urgently required. The previous primary qualification in midwifery did not adequately address the subject of “obstetric violence”, so that the new HebStPrV could be a first improvement in this regard. Inclusion of the subject in midwifery studies should be compulsory both university and clinic responsible for adequate, more practically oriented awareness during the course.

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Metadaten
Author:Maria Schneider
URN:urn:nbn:de:hebis:66-opus4-8640
Advisor:Babette Müller-Rockstroh, Melanie Schnee
Document Type:Bachelor Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2020/10/03
Date of first Publication:2020/10/15
Publishing Institution:Hochschule Fulda
Granting Institution:Hochschule Fulda, Pflege und Gesundheit
Date of final exam:2020/07/14
Release Date:2020/10/15
Tag:Gewalt in der Geburtshilfe; Hebammenstudium; respektvolle Geburtshilfe
Obstetric violence; midwifery studies
Pagenumber:106
Institutes:Pflege und Gesundheit
Licence (German):License LogoCreative Commons - CC BY-NC-ND - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International

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